zurück

2008

“Vergessene Orte”
Das Fotoprojekt „Vergessene Orte“ thematisiert Orte in Aschersleben, die im Laufe der Zeit ihre Funktion
verloren haben, überflüssig oder zu Spekulationsobjekten geworden sind oder einfach nur als Schandflecke gelten.
Solche Orte gibt es in jedem Dorf, in jeder Stadt. Sie fallen einfach aus dem Bewusstsein.

Vergessen wird zu schnell, dass diese Orte oft Generationen von Menschen Mittelpunkt ihres Lebens waren. In der Arbeit oder in der Freizeit.
Heute, in unserer "rasenden Gegenwart" die die Vergangenheit leugnet und vor der Zukunft die Augen verschließt,
heute verschwenden wenige Menschen Gedanken an eben diese Orte.

Zitat: Man bemerkt die tiefgreifende Veränderung nicht, weil sich die eigene Wahrnehmung und auch die eigenen Werte mitverändern.
Wir nennen das “shifting baselines” … Harald Welzer, Sozialpsychologe. (in: FAZ vom 7.12.2008)

Folgende Orte bieten sich in der Stadt Aschersleben an:

- Salzbergwerk, (Schacht 1 bis 7)

- "Karosse" (ein teilweiser Militärbetrieb),

- Molkerei,

- Saatgut,

- ehemalige Grundschulen,

- Bestehornvilla (Bestehorn war vor 100 Jahren ein Zulieferer der Reichspost mit Drucksachen),

- Schwimmbäder, Stadtbad,

- Kinderheime,

- Betreutes Wohnen (ehemaliges Quartier der Staatssicherheit),

- Polizei (heute Asylantenheim),

- Ort der umgebetteten jüdischen Gräber ,

- Ort der 1938 zerstörten jüdischen Aussegnungshalle,

- eine Sporthalle aus DDR-Zeiten, die abgerissen wird und einige Orte mehr.

(Die recherchierten Orte stehen unter dem Vorbehalt der genauen Überprüfung.)

Thematisches Umfeld:
Wolfgang Kil hatte 2004 in seinem Buch “Luxus der Leere” vom, Zitat: “schwierigen Rückzug aus der Wachstumswelt” geschrieben.
Gegenstand seiner Abhandlung waren ausnahmslos Orte in Ostdeutschland. Fotos in seinem Buch spielten eher eine illustrative Rolle.
Das Primat lag beim Text.

Margret Hoppe thematisiert in ihrer Diplomarbeit “Die verschwundenen Bilder” aus dem Jahr 2007 Spuren von Kunst an Orten,
wo sie einst zu finden war. Nicht die Orte sind ihr Thema sondern die Leerstellen in Räumen, an Wänden oder Hausfassaden. …
Ich sah ihre großformatigen Fotos im Gropius-Bau Berlin. Sie beeindruckten durch die Benennung dessen, was nicht zu sehen war.
(Anmerkung: Ein älteres Ehepaar irrte in der Ausstellung ratlos von Bild zu Bild, bis ich sie auf den Katalog verwies.
Nur der Katalog verwies auf das, was fehlte. …)

Ein hervorragendes Beispiel für die Verbindung von Kunst und Fotografie liefern die schwarz-weiß Fotos von John Davies.
Als Beispiel sei auf das Fotobuch: “The British Landscape” verwiesen. (Erschienen 2006 bei Chris Boot.)

Nicht zu vergessen, die legendäre "Becher Schule"der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.
Präzision, Berechnung und Vorbestimmung schufen eine Typologie der Industriebauten. Bernd Becher bezeichnete seine Arbeit einmal als Notlösung,
um eine Grube wenigstens im Bild zu erhalten. ...